Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Buchhandel

Von: Dr. Paul Hoser (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Ohne selbst Messestadt zu sein, ist Augsburg im 15./16. Jahrhundert durch seine eigene große Buchproduktion und als wichtiger Handelsplatz die Hauptstadt des süddeutschen Buchhandels. Schon 1466 wird der erste Augsburger Buchführer, Johann Bämler, als Händler mit nicht verlagseigenen Büchern genannt. 1480-1550 sind etwa 100 Augsburger Buchführer nachweisbar, die, teils mit beachtlichen Unternehmen (z. B. Johann Rynmann), teils nur im Nebenberuf Buchhandel trieben. Augsburger Buchführer versorgten den ganzen süddeutschen Raum bis nach Kärnten, Südtirol und die Schweiz. Sie stellten Verbindungen mit den Messeplätzen Frankfurt und Leipzig her, brachten die Augsburger Produktion dorthin und die Bü­cher aus anderen Druckorten nach Augsburg. Die größeren Firmen verfügten über ’Gewölbe’ an den Messeplätzen, Agenturen im Osten des Reichs und Filialen in den Universitätsstädten. Der Handel mit lateinischen Druckwerken reichte bis nach Italien.

    Eine besondere Stellung nimmt der Augsburger Buchführer und Großsortimenter Georg Willer d. Ä. ein, der als Herausgeber des ersten Messkatalogs zur Frankfurter Messe 1564 als Begründer der buchhändlerischen Bibliographie gilt. Im 17. Jahrhundert geht mit dem Rückgang des Augsburger Druckwesens und durch den 30-jährigen Krieg auch der Handel zurück (1661 noch zwei Buchhandlungen). Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Buchhandel wieder zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor: 1771 bestanden in Augsburg elf, 1780 neun Firmen (drei evangelische, sechs katholische). Überragend war Augsburg im Handel mit Kupferstichen. Die bedeutenden katholischen Firmen wie Gebrüder Veith, Joseph Wolffsche Buchhandlung und Matthäus Rieger standen mit dem Klerus und gebildeten Kunden in Süddeutschland in Geschäftsverbindung. Der alte von Augsburg ausgehende Hausierhandel mit Flugschriften, Kalendern und religiöser Massenliteratur kam im 18. Jahrhundert zu neuer Blüte.

    Im 19. und 20. Jahrhundert blieb trotz wachsender Bevölkerung die Anzahl der Buchhandlungen mit 12-15 Firmen beinahe konstant, der Reisebuchhandel kam zum Erliegen. Der Trend zu Konzentration und Filialisierung führte in den letzten Jahren dazu, dass die Anzahl der größeren Buchhandlungen stark zurückging. Der Antiquariats-Buchhandel ist in Augsburg erst seit etwa 1820 ansässig und wurde jeweils von nur zwei bis drei größeren Firmen betrieben (Sebastian Windprecht, Fidelis Butsch).

Friedrich Kapp / Johann Goldfriedrich, Geschichte des deutschen Buchhandels, 4 Bde., 1886-1913; H. Grimm, Die Buchführer des deutschen Kulturbereiches, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 8 (1967), 1153-1172; Hans-Jörg Künast, „Getruckt zu Augspurg“. Buchdruck und Buchhandel in Augsburg zwischen 1468 und 1555, 1997; Etienne François, Buchhandel und Buchgewerbe in Augsburg im 17. und 18. Jahrhundert, in: Augsburg in der Frühen Neuzeit, 1995, 332-342; Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997.



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