Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Brentano-Mezzegra

Kaufmannsfamilie

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Angehörige der in Mezzegra bei Tremezzo am Comer See beheimateten Brentano-Mezzegra, eines Zweiges der seit dem 12. Jahrhunderts nachweisbaren, dem lombardischen Uradel angehörenden und (bis heute) weitverzweigten Familie Brentano, wanderten ab der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Süddeutschland aus. 1667 ließen sich zuerst Pietro († 1673) und sein Vetter Carlo als Kaufleute in Augsburg nieder. Nach Pietros Tod führte sein Bruder Antonio († 1679) dessen Warenhandlung zusammen mit Carlo weiter, die nach Antonios Tod auf dessen gleichnamigen Sohn überging. 1704 ließen sich zwei der Brüder Anton[ios] d. J., Andreas und Carl Anton, in Augsburg als Kaufleute nieder; 1705 erhielten sie das Beisassenrecht, das Anton und der Bruder Matthäus bereits besaßen. Die Brentano brachten es in Augsburg rasch zu Ansehen und Wohlstand. Letzterer manifestierte sich auch im Erwerb zahlreicher Liegenschaften. 1709 erwarben Matthäus und Carl Anton († 1748) als erste der Familie das Augsburger Bürgerrecht. Der Seidenhändler Matthäus Brentano-Mezzegra stand 1717 an 30. Stelle in der Reihe der Augsburger Steueraufkommen. Seit 1770 betrieb Franz Carl Ulrich, Sohn Franz Antons († 1781) und Enkel Carl Anton Brentanos, zusammen mit seinem Schwager Sebastian Anton Pelloux († 1820) im Hause Peutingerstraße D 29 eine Seidenwarenhandlung. Mitte der 1780er Jahre eröffneten sie in Göggingen eine kleine Seidenspinnerei und -weberei, die sie 1793/94 aus wirtschaftlichen Gründen ins bayerische Lechhausen verlegten. 1799 Gewerbeprivileg des Kurfürsten von Bayern, das sich auf die Produktion aller Gattungen von Seidenzeug (Damast, Samt, Atlas etc.) erstreckte. Im gleichen Jahr trat Carl Brentano-Mezzegra (* 25.7.1779 Augsburg, † 17.8.1855 Augsburg), ein Neffe Franz Carl Ulrichs, in die Firma ein. 1813 avancierte er zum Teilhaber. 1820, nach Pelloux Tod, übernahm er die Fabrik als Alleininhaber. Seit 1844 wurde sie von seinem Sohn Carl August Brentano-Mezzegra (* 28.8.1817 Augsburg, † 16.9.1896 München) geführt. Das Absatzgebiet der Seidenfabrik, die damals Niederlassungen in ganz Deutschland unterhielt und zur kgl.-bayerischen Hoflieferantin aufgestiegen war, erstreckte sich bis nach Nordamerika. 1846 wurde Carl August in den erblichen Adelsstand erhoben (’Edler von Brentano-Mezzegra’). Bis 1857 war die Fabrik, die zuletzt ca. 40-50 Arbeiter beschäftigte, geschäftlich überaus erfolgreich; danach wirtschaftlicher Niedergang: 1868 Umwandlung der ’k.b. Hof-Seidenzeug- und Kirchenstoff-Fabrik’ in die ’Lechhauser Samt-Seidenzeug- und Kirchen-Ornat-Fabrik A. G.’. Nach Versteigerung der Immobilien im Januar 1871 wurde Ende 1874 der Betrieb endgültig eingestellt.
  • Brentanostraße (1913, Lechhausen-West, Amtlicher Stadtplan L 7/8; zuvor: Krankenhausstraße), an der bis zuletzt die Seidenfabrik (Nr. 26) betrieben wurde.

H. Roth, Die kurfürstlich-pfalzbayerische privilegierte Seidenmanufaktur Lechhausen, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 41 (1915), 127-139; Wolfgang Zorn, Handels- und Industriegeschichte Bayerisch-Schwabens 1648-1870, 1961, 69 f., 155, 172; Lechhausen, 1985, 68-72; Johannes von Brentano, Die Brentano, 1990, 173-182.



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