Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Börse

Von: Dr. Gerhard Hetzer / Prof. Dr. Wolfgang Zorn (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die Augsburger Börse entwickelte sich als Umschlagplatz für Wechselgeschäfte aus der Kaufleutestube reichsstädtischer Provenienz, die 1854 in eine freie Vereinigung des Augsburger Handelsstandes umgewandelt wurde. Als Vor- oder Frühform kann das Maklergeschäft der städtischen Unterkäufel für Geldwechsel und Edelmetall gelten. Im 17. Jahrhundert sank Augsburgs Rolle als ’Börsenplatz’, doch war er noch um 1780 für Schwaben, Österreich und teilweise die Schweiz von Bedeutung und überdauerte auch die Mediatisierung. 1808 erwarb der Börsenverein der Kaufmannschaft die alte Herrenstube. 1816 Aufwertung zur Effektenbörse mit eigenem Kursblatt. Bis zum Verfall der österreichischen Staatspapiere 1825 neue Blütezeit des Börsen- und Bankgeschäfts in Augsburg, das in diesem Bereich auch als Gerichtsstand Bedeutung hatte (Wechselgericht ab 1807, Wechsel-Appellationsgericht 1820-1862, Handelsgericht 1862-1879). Seit den 1830er Jahren Bedeutungsschwund zugunsten der Münchner Börse, unterbrochen von Phasen des Neuaufschwungs, etwa mit der Notierung von (lokalen) Industriewerten ab 1856. Das Börsengesetz vom Juni 1896 unterstellte sie einem Staatskommissär, die unmittelbare Aufsicht ging an die Handelskammer von Schwaben und Neuburg (Industrie- und Handelskammer) über. Obwohl zeitweilig bedeutendste deutsche Textilbörse, wurde die Augsburger Börse zum 31.12.1934 zugunsten der ’Bayerischen Börse’ in München im Zuge von reichsweiten Konzentrationsmaßnahmen im Wertpapierhandel aufgehoben. Der große Saal des 1828/30 nach Plänen von Johann Nepomuk Pertsch auf dem Areal von Kaufleute- und Herrenstube neuerbauten Börsengebäudes wurde bereits im 19. Jahrhundert häufig für Konzertveranstaltungen genutzt. Ab Januar 1935 war die Börse zeitweilig Sitz eines regionalen Rundfunksenders (’Schwabensender’, Sender Augsburg der Reichsrundfunk GmbH). Die Bombenruine (1944) im Südbereich des heutigen Rathausplatzes wurde 1949 abgebrochen.

Ludwig Lieb, Die Entwicklung der Augsburger Effektenbörse 1816-1896, 1930; Wolfgang Zorn, Handels- und Industriegeschichte Bayerisch-Schwabens 1648-1870, 1961; Ders. / Leonhard Hillenbrand, Sechs Jahrhunderte schwäbische Wirtschaft, 1969, 64 ff.; Zwei Augsburger Unterkaufbücher aus den Jahren 1551-1558, 1994; Bayerische Baudenkmäler im Zweiten Weltkrieg, 1995, 35.

Börse um 1900



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