Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Ben-Haim

Paul (eig. Frankenburger), * 5.7.1897 München, † 14.1.1984 Tel Aviv, Komponist, Dirigent, Musikpädagoge

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 4.11.2016)

  • Sein Vater, Heinrich Frankenburger, war Jurist und Dr. h.c. der TH München sowie stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in München. 1915-1920 Studium (Klavier und Komposition) an der Akademie der Tonkunst in München. 1920-1924 Korrepetitor und stellvertretender Chordirektor an der Münchener Staatsoper. Seit 1924 3. Kapellmeister und Chordirektor am Augsburger Stadttheater (Theater Augsburg), wo auch zahlreiche seiner Kompositionen aufgeführt wurden; ab 1929 1. Kapellmeister. Im Juni 1931 wurde ihm unerwartet gekündigt. Aufgrund des wachsenden Antisemitismusi fand er keine andere Anstellung. Im Herbst 1933 Emigration nach Palästina, wo er seinen Nachnamen in Ben-Haim (Sohn des Heinrich) änderte und sich rasch als einer der führenden Komponisten des Landes etablierte. Seit 1946 Theorie- und Kompositionslehrer an verschiedenen Institutionen, darunter die 'Shulamit Music School', die 'Jerusalem Academy of Music' (1949-1954 auch Direktor) und das 'Music Teachers' Training College'. Große Verdienste um das Musikleben in Israel. Lange Jahre Präsident (später Ehrenpräsident) des israelischen Komponistenverbandes. Seine Werke wurden auch international von führenden Dirigenten und Solisten (Yehudi Menuhin, Jascha Heifetz, Leopold Stokowsky, Leonard Bernstein etc.) aufgeführt. Sein Oeuvre umfasst etwa 250 Werke aller Gattungen mit Ausnahme der Oper. Widmete er sich in besonderem Maße der Herausbildung eines israelischen Nationalstils, wandte sich dabei aber vom europäischen Musikerbe nicht ab, sondern verband es vielmehr mit den neuen Einflüssen. 1953 israelischer Staatspreis für 'The Sweet Psalmist of Israel', eine Tondichtung über König David. 1968 Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Zu seinem 75. Geburtstag wurde er nach München eingeladen. Hier erlitt er einen Verkehrsunfall und war seitdem an den Rollstuhl gefesselt.

Deutsches Bühnen-Jahrbuch 36 (1925) - 42 (1931); Peter Gradenwitz, Die Musikgeschichte Israels, Kassel 1961; Gernot Römer, Schwäbische Juden, Augsburg 1990, S. 236 f.; Hadassah Guttmann, The music of Paul Ben-Haim, Metuchen, NJ, 1992; Peter Gradenwitz, Paul Ben-Haim, in: Musik im Exil, Frankfurt/Main 1993, S. 120-131; Die Musik in Geschichte und Gegenwart 2, Kassel 21999, Sp. 1108-1111; The new Grove dictionary of music and musicians 3, London 22001, S. 261 f.; Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (www.lexm.uni-hamburg.de, 2013).

Paul Ben-Haim



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