Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Aufhäuser

Von: Gernot Römer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1) David, * 14.7.1878 Oettingen, † 11.7.1949 New York, Chemiker. Sohn eines Spirituosenfabrikanten und Hopfenhändlers. Besuch der Real-und Handelsschule in Augsburg. Chemiestudium in München, Heidelberg, Leipzig und Zürich. Erkannte früh die Bedeutung der Wärmewirtschaft, gründete 1905 in Hamburg die Thermochemische Prü­fungs- und Versuchsanstalt, die er ein Vierteljahrhundert leitete. Zahlreiche Veröffentlichungen, bahnbrechend sein Buch ’Brennstoff und Verbrennung’ (1927). Professor am Polytechnikum Zürich und an der TH Berlin, bis ihm 1934 als Juden die Lehrbefugnis entzogen wurde. 1930 Ausschuss-Mitglied bei der Weltkraftkonferenz in Berlin. 1938 Emigration in die USA.
  • 2) Siegfried, * 1.5.1884 Augsburg, † 6.12.1969 Berlin/West, Gewerkschafter, Sozialpolitiker, Journalist. Bruder von 1). Bis 1912 als kaufmännischer Angestellter tätig. Im gleichen Jahr SPD-Mitglied. Setzte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg für den Zusammenschluss der vielen zersplitterten Angestelltenverbände ein. 1920-1933 Vorsitzender des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes (AfA-Bund), zugleich Vorstandsmitglied des Internationalen Gewerkschaftsbundes. 1908 Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Demokratischen Vereinigung; 1921 Mitglied des Reichstages für die USPD, 1922-1933 für die SPD. 1920-1933 Mitglied des vorläufigen Reichswirtschaftsrats, 1922-1925 des Staatsgerichtshofs zum Schutze der Republik. Rief im März 1920 bei dem Umsturzversuch rechtsradikaler Politiker und unzufriedener Militärs zusammen mit dem Vorsitzenden des Bundes der Arbeitergewerkschaften, Carl Legien, den ersten und einzigen Generalstreik der deutschen Geschichte aus, woraufhin der sog. ’Kapp-Putsch’ zusammenbrach. Als 1932 Reichskanzler von Papen die SPD-geführte preußische Regierung absetzte und durch Reichskommissare ersetzen ließ, fand Aufhäusers Forderung eines erneuten Generalstreiks keine Mehrheit. Emigrierte 1933 über Paris nach Prag, dort im Emigrationsvorstand der SPD (SOPADE) Vertreter der Parteilinken. Aufbau des Arbeitskreises Revolutionärer Sozialisten. Ging 1939 über London nach New York. Mitarbeit bei deutschsprachigen Zeitungen, politisch aktiv in Emigranten-Organisationen. 1951 Rückkehr nach Berlin, 1952-1959 Vorsitzender des DAG-Landesverbands Berlin, dann Ehrenvorsitzender. Die DAG zeichnet jährlich eine verdiente Persönlichkeit mit der Siegfried-Aufhäuser-Medaille aus.

(1) Rieser Biographien, 1993, 8 f.
(2) W. Korthaase, Siegfried Aufhäuser, der Organisator der Kopfarbeiter, in: Vor dem Vergessen bewahren, 1988, 15-37; Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 1, 1980, 25; Martin Schumacher, M.d.R., 1992, 36 f.; Gernot Römer, Wir haben uns gewehrt, 1995, 21-29; Wilhelm Heinz Schröder, Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933, 1995, 351 f.; Demokratische Wege, 1997, 28 f.



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