Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Arbeiterbewegung

Von: Dr. Gerhard Hetzer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Anfänge eines Eigenbewusstseins abhängig Beschäftigter als soziale Gruppe ergaben sich im 19. Jahrhundert in den Verbindungen und Herbergen der Handwerksgesellen. Für Augsburg wurden hierbei vor allem Beziehungen in die Schweiz und nach Württemberg wichtig. In der Augsburger Industriearbeiterschaft entwickelten sich entsprechende Tendenzen nur langsam, doch gab es seit den 1860er Jahren Verbände von industriell Beschäftigten (Gewerkschaften). Prägend für das Selbstverständnis der Arbeiterbewegung waren vor allem die in Autonomiebestrebungen zur bürgerlichen Gesellschaft unter dem Einfluss der Sozialdemokratie (SPD) entwickelten Freizeitorganisationen, z. B. sozialistische Bildungs-, Kultur- und Sportvereine, seit den 1890er Jahren überwiegend in den Augsburger Vororten entstanden, nach dem Ersten Weltkrieg mit eigenen Dachverbänden. Konkurrierende Verbände entstanden auf der Basis sozialer Harmoniemodelle und des individuellen Leistungsprinzips seitens kirchlich gebundener und wirtschaftsfriedlicher Arbeitergruppen. 1918/19 entstand auch auf lokaler Ebene ein revolutionär-aktivistischer Flügel mit leninistischer Interpretation der marxistischen Gesellschaftslehre (KPD). 1933 wurden die Gewerkschaften in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt, bis 1939 erfolgte die Auflösung der konfessionellen Standesvereine. Die DAF versuchte die Festlegung auf ein nicht-klassenkämpferisches Modell der Volksgemeinschaft (’Arbeiter der Stirn und der Faust’) auf nationalsozialistischer Grundlage, wobei in zahlreichen Betrieben und Verwaltungen die Mitgliedschaft in der DAF obligatorisch war. Seit Sommer 1945 Wiederaufbau der alten Arbeiterparteien und der Gewerkschaften sowie der Katholische Arbeitervereine. Das sozialistische Vereinswesen wurde nur zum Teil wiederbegründet. Mit Beginn der wirtschaftlichen Prosperität seit Anfang der 1950er Jahre war vielfach ein Schwund des Klassenbewusstseins der Arbeiterschaft zu verzeichnen, bei gleichzeitigen sozialen Umschichtungsprozessen: Rückgang des zahlenmäßigen Gewichts der industriell Beschäftigten gegenüber dem Dienstleistungsbereich, ’Aufsteigermentalität’ unter Versöhnung mit einer kapitalistischen, aber soziale Trennungslinien nivellierenden Gesellschaftsordnung.

Christa Landgrebe, Vom Handwerker zum Fabrikarbeiter, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 450-458; Und über sich keinen Herrn, 3 Bde., 1988; Susanne Mutert, Die bayerischen Gewerkschaften im 19. Jahrhundert, 1997.



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