Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Apotheken

Von: Petra Ostenrieder (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Bereits 1283 wird in einer Urkunde Liutfrid ’der Appentecker’ als Zeuge genannt. Im 13. und 14. Jahrhundert bestand in der Nähe von St. Moritz eine Apotheke, die um 1400 in Besitz von Claus Hofmaier war (Marienapotheke). Erwähnt wird 1362 die Arbeitsaufteilung zwischen Arzt (Verordnen) und Apotheker (Bereithalten, Herstellen der Arznei). Nur allmählich verlagerte sich der Schwerpunkt der Apotheke als Gemischtwarenhandlungen mit Gewürz- und Weinhandel und Vertrieb von Arzneidrogen auf die Arzneimittelherstellung. 1417 Aufnahme eines zweiten Apothekers, 1447 gab es in Augsburg schon vier Apotheken. Bis 1457 wurden die Apotheker von der Stadt besoldet. Sie unterlagen über ihr Dienstverhältnis der Kontrolle durch den Rat; mit dem Wegfall der Besoldung trat offensichtlich ein Qualitätsverlust ein. 1564 Neuordnung des Apothekerwesen durch den Rat: Taxe (Preisliste), Dispensatorium (verbindliches Rezeptbuch, Pharmocopoeia Augustana) und Apothekenordnung wurden erlassen. Letztere erschwerte weitere Neuzulassungen, von den Bewerbern wurde nun ein Qualifikationsnachweis gefordert. Durch die strikte Anwendung der Bestimmungen wurde die Anzahl der Apotheken (1563 noch sechs) auf vier reduziert. Erst 1658 wurde mit den katholischen Stimmen im Rat ein fünfter Apotheker zugelassen, der wie die bereits tätigen evangelisch war (Sternapotheke). Die katholische Seite hoffte, durch diese Neuaufnahme einen Präzedenzfall zu schaffen, der beim Auftreten eines katholischen Bewerbers der evangelischen Seite entgegengehalten werden könnte, die aus wirtschaftlichen Gründen jede zusätzliche Apotheken-Konkurrenz ablehnte. 1673 wurde dem Augsburger Bürgersohn Johann Reischlin gegen evangelischen Protest die Eröffnung einer Apotheke bewilligt. Seiner ’katholischen Apotheke’ (St. Georg-Apotheke) folgte 1733 die katholische Hofapotheke St. Afra. Seit 1582 lag die Aufsicht über die Apotheken beim Collegium Medicum. Nach 1806 bestanden bei 28.000 Einwohnern sechs, 1996 waren es 91 Apotheken (2880 Einwohner pro Apotheke).

Adolf Buff, Der Apotheker Claus Hofmair, die Augsburger Apotheker des 14. Jahrhunderts und Magister Ulrich Hofmair, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 16 (1889), 161-209; Anton Werner, Zur Geschichte der Augsburger Apotheken 1346-1845, in: ebd. 36 (1910), 33-46; Gerhard Gensthaler, Das Medizinalwesen der Freien Reichsstadt Augsburg bis zum 16. Jahrhundert, 1973; Z. Herkov, Der Ursprung der Augsburger und Wiener Apothekenmaße und ihr Einfluß auf andere europäische Maßsysteme, in: Acta metrologiae historicae 1, 1985, 205-237.



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