Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Buchdruck

Von: Dr. Hans-Jörg Künast (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Am 12.3.1468 vollendete Günter Zainer mit den ’Meditationes vitae Christi’ des Ludolf von Sachsen das erste gedruckte Buch in Augsburg. In der Folgezeit wurde Augsburg zu einem der wichtigsten Druck- und Verlagszentren im Europa der Frühen Neuzeit. Im 15. Jahrhundert sind 21 Druckherren, im 16. 35, im 17. 32 und im 18. Jahrhundert knapp 50 Druckereibesitzer nachzuweisen. Mit dem Ende der Reichsstadtzeit setzte eine gegenläufige Entwicklung ein, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts dazu führte, dass Augsburg seine führende Position im bayerisch-schwäbischen Raum an München und Stuttgart verlor.

    Augsburg nimmt im europäischen Vergleich eine Sonderstellung ein, ist es doch der einzige Druckort, wo der deutschsprachige Produktionsanteil den lateinischen schon im 15. Jahrhundert übertraf (rund 60 % deutsch). Diese häufig reich illustrierten deutschen Werke gehören praktisch allen Literaturgattungen an. Für die Illustration der Bücher war es hilfreich, dass in Augsburg immer eine hinreichend große Anzahl von Formschneidern und Kupferstechern (Kupferstich) arbeitete. Einen bedeutenden Anteil an der deutschen Buchproduktion machen Übersetzungen antiker Klassiker und italienischer Humanisten (15.-16. Jahrhundert) sowie wissenschaftliche und erbauliche Werke französischer Theologen (18. Jahrhundert) aus.

    In der Reformation war Augsburg der bedeutendste Druckort für Flugschriften (1518-1530 rund 3000 Ausgaben). Für Augsburg typisch ist ferner der Druck von Nachrichten, zuerst in ’Neuen Zeitungen’, aus denen sich später periodisch erscheinende Zeitschriften und Zeitungen entwickelten. Als Handelszentrum war die Stadt natürlich auch ein Knotenpunkt des europäischen Nachrichtenwesens. Zwischen 1540 und 1600 war Augsburg ein rein protestantischer Druckort. Erst 1601 richtete mit Christoph Mang wieder ein Katholik eine Druckerei ein. Der konfessionelle Gegensatz spielte im Druckgewerbe jedoch nie eine große Rolle. Um 1700 trat ein signifikanter Wechsel ein. Zahlreiche katholische Drucker und Verleger siedelten sich in Augsburg an. Firmen wie Bencard, Rieger, Veith und Wolff dominierten im 18. und in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts das Erscheinungsbild der Augsburger Buchproduktion. Sie beherrschten den Buchmarkt der katholischen Territorien Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz.

Josef Bellot, Augsburg, Porträt einer Druckerstadt, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 17 (1970), 247-264; Hans-Jörg Künast, Entwicklungslinien des Augsburger Buchdrucks von 1468 bis zum Augsburger Religionsfrieden von 1555, in: Augsburg in der Frühen Neuzeit, 1994, 227-239; Ders., Augsburg als Knotenpunkt des deutschen und europäischen Buchhandels (1480-1550), ebd., 240-251; Etienne François, Buchhandel in Augsburg im 17. und 18. Jahrhundert, in: ebd., 232-243; Hans-Jörg Künast, „Getruckt zu Augspurg“. Buchdruck und Buchhandel in Augsburg zwischen 1468 und 1555, 1997; Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997.



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