Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Brücken

Von: Dr. Peter Geffcken (1) / Prof. Dr. Hans Frei (2) (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1) Die Lage der Stadt im Mündungszwickel von Lech und Wertach machte zahlreiche Flussübergänge notwendig. Angesichts der breiten Schotterbetten und der sich ständig verlagernden, verzweigten Flussarme sind seit der Römerzeit Furten wahrscheinlich. Wenngleich römische Brückenreste bisher nicht bekannt geworden sind, so darf man für die Hauptachsen des römischen Straßennetzes auch Brückenbauwerke annehmen. Die Vita des hl. Ulrich berichtet vom Bau einer Brücke über den Lech ’ad sanctam Afram’ (um 980) durch Bischof Heinrich, die 1031 Bischof Eberhard dem Kloster St. Ulrich und Afra schenkte.

    Nach Herausbildung des mittelalterlichen Straßennetzes sind 1276 drei überbaute Flussübergänge fassbar. Während die Lage der bischöflichen Wertach-Brücken im Norden und der ulricanischen ’Oberen Brücke’ an der Straße nach Friedberg im Südosten gut bezeugt ist, sind die Informationen zur dritten Brücke etwas verwirrend. Das Stadtrecht spricht vom ’brugge zol ze stravans tor’ (Barfüßertor). Erhoben wurde er an der ’stravans brugge’, die als Übergang des Sparrenlechs, des ’dritten laech vor strafanstor’, identifizierbar ist. Der Zolltarif, der auch Salz und Handelwaren nennt, macht jedoch für eine Seitenarmbrücke, die nur ins Mündungsdreieck führen würde, keinen Sinn. Andererseits ist in den Quellen eine ’Untere Brücke’ mit Zolleinnehmer (’Hermannus pontenarius inferior’, 13. Jahrhundert) fassbar, für die das Stadtrecht keinen Tarif nennt. Da das Hochstiftsurbar von 1316 von mehreren Brücken am Lech spricht, ist sie am Hauptarm, wohl wie später auf der Höhe von Lechhausen, zu lokalisieren. Wenn sich bei der ’Oberen Brücke’ die Baulast sowohl auf das Brückenwerk über den Hauptarm als auch auf die Passagen der vorgelagerten Furten erstreckte, wird man wohl auch die ’Untere’ Brücke als Teil eines Systems an der Straße nach Lechhausen auffassen müssen, zu dem auch die Übergänge der Seitenarme mit der Zollstelle an der Barfüßerbrücke zählten.

    Das für das 13. Jahrhundert ungewöhnliche Nebeneinander von zwei für Schwerverkehr ausgelegten Brücken erklärt sich wohl aus der hohen Gefährdung der Bauten durch den Lech, die sowohl 1276 wie 1316 angesprochen wird. Man wollte so wohl sicherstellen, dass der Verkehr nach Bayern nie völlig unterbrochen werden konnte. Das höhere Verkehrsaufkommen hatte jedoch, schon im 15. Jahrhundert deutlich fassbar, die ’Obere Brugge’ an der Friedberger Straße.
  • 2) Der sich im Zuge der Industrialisierung stark ausweitende Verkehr machte im 19. Jahrhundert die Errichtung leistungsfähigerer Brückenbauten notwendig, z. B. der Hochzoller Lechbrücke (1808; seit 1997: Afra-Brücke), Oberhauser Wertachbrücke (1814). Das jüngste Brückenprojekt, die vierte Lechbrücke zwischen Lechhausen und dem Textilviertel (Anton-Fugger-Brücke), wurde 1997 für den Straßenverkehr freigegeben. Neben den 14 Wertach- und den 10 Lechnbrücken gibt es eine Vielzahl von Überquerungen über die Lech- und Wertachkanäle und die Bäche. Allein der Vordere Lech und sein Wasserlieferant, der Lochbach, werden von 37 städtischen und zahlreichen privaten Brücken und Stegen überspannt. 150 Brücken oder Durchlässe sind zur Überquerung der zahlreichen Bäche und Gräben im Siebentisch- und Haunstetter Wald vorhanden. Dazu kommen die zahlreichen Brücken für die Anlagen der Bundesbahn und der Augsburger Localbahn, z. B. die 1898 erbaute Bismarckbrücke und die Gögginger Brücke im Bereich Hauptbahnhof. Insgesamt gibt es in Augsburg 530 Brückenbauten.

Das Stadtbuch von Augsburg insbesondere das Stadtrecht vom Jahre 1276, 1872, 24-34, 170; Monumenta Boica 34 I, 406; Fritz Steinhäußer, Augsburg in kunstgeschichtlicher, baulicher und hygienischer Beziehung, 1902, 54 f.; Walter Groos, Beiträge zur Topographie von Alt-Augsburg, 1967, 26-66; H. Ebner, Die Brücken – Stadt Augsburg schlägt das stolze Venedig, in: 2000 Jahre Augsburg, 1984, 288-295; Hans Frei, Augsburgs topographische und geographische Lage und deren Einfluß auf die Stadtentwicklung, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 103-111; Robert Müntefering, Die Traditionen und das älteste Urbar des Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg, 1986, 5-11.



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