Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Augsburger Kammgarn-Spinnerei

(AKS)

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 1.9.2009)

  • 1836 verlegte Friedrich Merz († 1867) seine mit Pferdekraft betriebene Spinnerei von Nürnberg nach Augsburg, erwarb, um die Wasserkraft für die Energieversorgung nutzen zu können, die frühere Samassa'sche Tabakmühle und errichtete die erste Augsburger Kammgarnspinnerei (Kammgarn = glattes Garn, aus dem durch Kämmen die kurzen Fasern entfernt werden) mit 4500 Spindeln ('Friedrich Merz & Co.'). Rascher Aufschwung durch Einsatz neuer Technik. 1845 Umwandlung in eine AG und Bau neuer Fabrikanlagen am Schäfflerbach. Bereits ab 1848 eigene Betriebskrankenkasse, ab 1854 Bau einer Wohnsiedlung für Mitarbeiter, 1857 Unterstützungsfonds für Erwerbsunfähige. 1865 mit 1000 Arbeitsplätzen und über 20.000 Spindeln nach der Baumwollspinnerei am Stadtbach zweitgrößtes Unternehmen am Ort. Nach Merz' Tod übernahm sein Neffe Friedrich Gustav Firnhaber (1823-1887) die Geschäftsleitung. Nach konjunkturbedingtem Einbruch im Ersten Weltkrieg rascher Wiederaufstieg. 1935 produzierten 2400 Mitarbeiter an 92.000 Spindeln 2,7 Mio. kg Kammgarn. Im Februar 1944 wurden 90 % der Anlagen zerstört. 1957 erreichte die Produktion wieder Vorkriegsniveau. 1973 erwarb Hans Glöggler die Aktienmehrheit. Als dessen Textilimperium drei Jahre später zusammenbrach, geriet auch die AKS in Existenznot. 1976 zeichneten die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung und mit der AKS verbundene Banken das neue Aktienkapital. 1986 war die AKS wieder Marktführer in Deutschland: 860 Mitarbeiter verarbeiteten auf 56.000 Spindeln 6 Mio. kg Kammgarn. Umsatz 1985 147 Mio. DM. In der Folge stark betroffen vom rasanten Niedergang der Textilproduktion in den europäischen Hochlohnländern. 1996 erwarb Ulrich Kikillus rund 55 % der Aktien. 1997 noch 320 Beschäftigte. 2002 musste die Spinnerei und 2004 dann auch die Färberei Insolvenz anmelden. Da ein einmaliges zusammenhängendes Gelände von Werksgebäuden erhalten blieb, das die Entwicklung der Augsburger Textilindustrie dokumentiert, konnte sich die AKS als Standort für das Bayerische Textil- und Industriemuseum (tim) durchsetzen. Ein Teil des Firmengeländes wird derzeit von Fremdfirmen oder als Künstler-Ateliers genutzt. Des Weiteren wurde mit dem Schuljahr 2005/06 eine Rudolf-Steiner-Schule eröffnet.

Zorn, Wirtschaft; 100 Jahre Augsburger Kammgarn-Spinnerei, 1936; Fischer; 150 Jahre Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG, 1986; Romantik und Restauration, 1987, 319 f.; Wiehler, S., Werdegang der Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG, in: Ebbes 1988 H. 1, 10-13; www.augsburgwiki.de.

Augsburger Kammgarn-Spinnerei (Foto: Werner Renz)



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