Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Druckgraphik

Von: Dr. Gode Krämer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die Druckgraphik war vom 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts neben der Goldschmiedekunst der bedeutendste Kunstbereich der Reichsstadt. In der Produktionsbreite wurde Augsburg innerhalb Europas nur von Paris übertroffen und von Nürnberg annähernd erreicht. In der Frühzeit war die bevorzugte Technik der Holzschnitt, der in Augsburg mit Hans Burgkmair, Jörg Breu d. Ä., Leonhard Beck, Hans Weiditz und dem Drucker Erhard Ratdolt die erste Hochblüte in der Druckgraphik erreichte. Daneben gab es die Eisenradierung, die der aus Kaufbeuren zugezogene Daniel Hopfer hier eingeführt hatte. Hopfer war Waffenätzer, der seine Ornamente und figürlichen Darstellungen zuvor auf Rüstungen, Schwerter und Schilde geätzt hatte und sie dann auf Druckplatten übertrug, um sie als selbstständige Kunstwerke herauszugeben. Seine ’Erfindung’ ist bis heute eine der meistgebrauchten künstlerischen Drucktechniken, nur benutzte man sehr bald nicht mehr Eisen-, sondern Kupferplatten, die nicht oxydieren. Der Kupferstich wurde in Augsburg relativ spät, gegen 1570, eingeführt. Danach wurde er vor allem durch den 1588 zugezogenen Dominicus Custos, dessen Verlag durch seine Söhne und Stiefsöhne Wolfgang und Lukas Kilian weitergeführt wurde, die bestimmende Technik und trug wesentlich zum Ruf Augsburgs als Kunststadt bei; genutzt vor allem als Reproduktionsstich für das Kopieren von Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen. Eine wichtige Rolle spielte auch der Ornamentstich, mit dem die neuesten Ornamentformen in ganz Europa verbreitet werden konnten. Allerdings wandten sich die Künstler schon bald vom reinen Kupferstich ab und der Radierung zu, bzw. verwandten beide Techniken vermischt und nebeneinander. In vielen Bereichen der Gebrauchsgraphik wurden seit ca. 1680 vor allem von den Verlegern Jeremias Wolff und Joseph Friedrich Leopold neben einfachen Graphiken auch kolorierte Exemplare angeboten. Das gilt neben der Landkarten-Produktion vor allem für Trachtenwerke und topographische Ansichten. Hier sind besonders die Gucckastenblätter des Verlags Jeremias Wolff zu nennen, die fast ausschließlich koloriert vertrieben wurden. Das gilt auch für die Ausschneide-Bilderbogen des Verlags Martin Engelbrecht: Hunderte von Darstellungen kleinen Formats historischen, religiösen und allegorischen Inhalts oder alltägliche Szenen. Die Kolorierung muss man sich nach Vorlagen unter Zuhilfenahme von Schablonen vorstellen. Eine weitere Spezialität Augsburger Druckgraphik waren die Mezzotinto- oder Schabkunstblätter. Obwohl die bereits 1642 von Ludwig von Siegen aus dem Kupferstich entwickelte Technik erst etwa 50 Jahre später wohl durch Georg Andreas Wolfgang (1631-1716) und Leonhard Heckenauer (um 1665-1704) in Augsburg heimisch wurde, boten im 18. Jahrhundert eine Reihe von Verlagen, z. B. der von Georg Philipp Rugendas d. Ä. und Erben, Johann Elias Ridinger und Johann Philipp Koch (1716-1796), Schabkunstblätter sozusagen als verkleinerten Gemäldeersatz an. Auch Johann Elias Haid war ein gesuchter Schabkünstler; die religiösen Themen, vor allem die Thesenblätter des katholischen Verlags der Brüder Klauber wurden fast ausschließlich in dieser Technik ausgeführt. Am Ende des Jahrhunderts übernahm die 1760 von Jean-Baptiste Leprince aus der Ätztechnik entwickelte Aquatinta, die in Augsburg ebenfalls sehr verspätet eingeführt wurde, die Rolle der Schabkunsttechnik. J. G. L. Rugendas d. J. führte seine großformatige Darstellungsserie zu den Schlachten Napoleons in dieser Technik aus. Nicht nur in der Gebrauchsgraphik, sondern auch als Originalgraphik spielte die Radierung im 17. Jahrhundert in den Werken Augsburger Künstler, wie Hans Ulrich Franck, Johann Heinrich Schönfeld und Jonas Umbach, eine wichtige Rolle; ebenso im 18. Jahrhundert in den Werken Johann Georg Bergmüllers, Johann Evangelist Holzers und Gottfried Bernhard Götz’. Die Lithographie wurde in Augsburg früh eingeführt. Schon 1799, drei Jahre nachdem Alois Senefelder seine Erfindung veröffentlicht hatte, richteten seine Brüder Theobald und Georg für den Musikverlag Gombart & Cie eine Steindruckerei ein. Zehn Lithosteine, mit einer Ausnahme alle in Hochätzung, sind in den Kunstsammlungen Augsburg erhalten. Im Übrigen aber ist die künstlerische Produktion an Lithographien in Augsburg unbedeutend. Kaum mehr als ein Dutzend Blätter bis 1821 sind bekannt; Künstler wie Franz Michael Veith (1799-1846) und Michael Fröschle schufen fast ausschließlich Porträts.

Olgerd Grosswald, Der Kupferstich des XVIII. Jahrhunderts in Augsburg und Nürnberg, 1912; Albert Haemmerle, Die Lithographie in Augsburg, 1927; Ders., Der Farbstich, seine Anfänge und seine Entwicklung bis zum Jahre 1765, 1937 (Ms.); Maria Lanckoronska, Die Augsburger Druckgraphik des 17. und 18. Jahrhunderts, in: Augusta 955-1955, 1955, 347-362; Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997.



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