Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Drittes Reich

Von: Dr. Gerhard Hetzer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die faktische Machtübernahme der NSDAP erfolgte, wie vielfach in Bayern, so auch in Augsburg, in Zusammenarbeit mit der DNVP unter Duldung oder indirekter Unterstützung durch staatliche und städtische Behörden am 9.3.1933. Verhaftungswellen gegen politische Gegner bis Ende April sowie erneut Ende Juni 1933. Es begann eine rasche ’Gleichschaltung’ (Übernahme von Funktionen durch Anhänger der neuen Regierung) in allen gesellschaftlichen Bereichen. In dieser Phase nur isolierte Gegenwehr Einzelner oder kleiner Gruppen. Die Neubildung des Stadtrats begann Ende März 1933, bis August 1933 waren alle politischen Gruppen mit Ausnahme der NSDAP ausgeschaltet. Bis Juli 1934 Sonderkommissare der SA bei wichtigeren staatlichen und kommunalen Behörden mit seit Herbst 1933 schwindendem Einfluss. Seit Juni 1934 Personalunion von NSDAP-Gauleiter und Regierungsprä­sident (Karl Wahl). Die folgenden Jahre bestimmten Maßnahmen zur Bekämpfung der Dauerarbeitslosigkeit (z. B. Notstandsarbeiten), ein erfolgreicher Aufbau teils parteipolitischer, teils halbstaatlicher Massenorganisationen und die Durchführung emotional sehr wirkungsvoller Veranstaltungen, die eine Aufbau- und Aufbruchsstimmung bewirkten. Einher ging die Erziehung einer neuen Generation im nationalsozialistischen Geist durch Schule und Jugendorganisationen (Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel). Billigung der innen- und außenpolitischen Maßnahmen durch Wahlen zum Reichstag über Einheitslisten und Volksabstimmungen (November 1933, August 1934, März 1936, April 1938) mit wachsendem Druck zur Teilnahme und stellenweisen Manipulationen, aber relativ hohen Anteilen an Nichtwählern und ’Nein’-Stimmen (August 1934). Seit 1933 umfangreiche Wohnungsbautätigkeit, vor allem in vorstädtischen Siedlungen; dennoch bestand wegen wachsender Bevölkerung (Zuwanderung in neue Industriebetriebe, seit 1935 Wehrmachtstruppen im Standort Augsburg, erhöhte Eheschließungszahlen) eine problematische Wohnungssituation fort. Kommunalpolitisches Entwicklungsziel war es, Augsburg zu einem von der bayerischen Landesregierung und München unabhängigeren Zentrum mit überregionaler Bedeutung (’Stadt des deutschen Kaufmanns’, repräsentative Großbauprojekte, Verbesserung der Verkehrslage, Altstadtsanierung) zu machen. Nach Ausschaltung politischer Gegner in den aufgelösten alten Parteien und in der SA standen seit 1934 vor allem Konflikte mit den großen christlichen Kirchen im Mittelpunkt der Innenpolitik, daneben Propaganda-Aktionen gegen ’Meckerer und Kritikaster’. Einweisung von Gegnern aller Art in Konzentrationslager. Beschränkung der gesellschaftlichen Bewegungsfreiheit der jüdischen Minderheit. In der Reichspogromnacht (8./9.11.1938) Zerstörung der Inneneinrichtung der Synagoge, 1941/42 Auflösung der Israelitischen Kultusgemeinde, Deportationen von November 1941 bis Februar 1945. Seit Kriegsbeginn verschärfte Überwachung von Regungen der Unzufriedenheit und politischer Gegnerschaft. Das Durchhaltevermögen der Bevölkerung während des Krieges war jedoch weniger auf politische Indoktrination als auf ältere patriotische Einstellungen zurückzuführen (vor allem auch in der Arbeiterschaft). Zusammenbruch des Machtgefüges, soweit es von der Einheitspartei getragen war, Ende April 1945 unter Auflösung der NS-Organisationen und Festnahme der verbliebenen Funktionäre auf Befehl der Besatzungsmacht.

Wolfgang Domarus, Nationalsozialismus, Krieg und Bevölkerung, 1977; Gerhard Hetzer, Kulturkampf in Augsburg, 1982; Hakenkreuz und Zirbelnuß, 1983; Karl Filser / Peter Sobczyk, Augsburg im Dritten Reich, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 614-636; Gerhard Hetzer, Das Dritte Reich, Schicksalsjahre auch für Augsburg, in: 2000 Jahre Augsburg, 1984, 396-409; Peter L. Sobczyk, Partei, Industrie und Arbeiterschaft in Augsburg 1933-1945, Diss. Augsburg 1984; Joachim Brückner, Kriegsende in Bayern 1945, 1987; Kellerwohnung und Persilschein, 1995; Kriegsende und Neuanfang in Augsburg, 1996.



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